Sockenhausen

Die kleine Socke nahm Reißaus. Sie hüpfte noch einmal auf dem Teppich auf und ab, machte einen Salto über den Küchentisch, dann nahm sie den Fahrstuhl und fuhr in den Keller. Dort stand ein Köfferchen, winzig klein und gerade groß genug für eine Socke, das schnappte sie, klappte die Rollen aus und verließ das Haus durch die Hintertür. Auf ihrem Roller raste sie die Straße hinunter, schleppte ihr Gepäck die Treppen hoch und stieg in den Zug nach Sockenhausen, wohin sich alle Socken begaben wenn sie rebellieren wollten. Eine beachtliche Anzahl an angeblich verloren gegangenen und verschwundenen Socken hatte sich hier angesammelt. Bis zum großen Tag, an dem sie die Herrschaft über die Welt übernehmen wollten, vertrieben sich die Socken die Zeit indem sie winzige Schals strickten, sangen, und auf den kleinsten Instrumenten der Welt musizierten. Manchmal veranstalteten sie tagelange Sockenfestivals auf denen auch gestrickt und musiziert wurde, das aber auf dem Marktplatz und bei Kerzenlicht. Die kleine Socke rollte sich auf ihrem Sitz zusammen, denn es war eine lange Fahrt nach Sockenhausen und es dämmerte bereits. Sie schlief eine Weile und wachte auf mit dem Tröten des Zuges als dieser in dem malerischen Städtchen einfuhr.

Gleich am Bahnhof traf sie eine andere Socke, die war rosa wie sie selbst und die kleine Socke fragte „Hallo, wie geht es dir?“ „Mir geht es ganz hervorragend“ antwortetet die andere Socke „ich schreibe Gedichte über Käsebrot“ Die kleine Socke ging weiter und wunderte sich. Das Städtchen war wirklich wunderschön, es wehte ein lauer Wind und es duftete nach Lebkuchen. Auf der langen Allee bewunderte die kleine Socke die großen Bäume, da traf sie eine blau karierte Socke mit einer Menge Koffer im Schlepptau. „Wohin verreist du?“ fragte die kleine Socke und die andere Socke antwortete „Ich reise nirgendwo hin. Ich trage meine Koffer durch die Gegend, tagein, tagaus“ Die kleine Socke ging weiter und wunderte sich noch mehr. Hinter der Allee befand sich der Marktplatz, umringt von klitzekleinen bunten Häusern, in deren Vorgärten Bonsai Bäumchen wuchsen. Dort traf die kleine Socke eine grüne Socke, die saß auf dem Platz und spielte auf einer winzigen Gitarre. „Wie geht es dir“ fragte die kleine Socke aber die andere Socke hörte sie gar nicht, so sehr war sie in ihr Spiel vertieft. Da beschloss die kleine Socke, die Weltherrschaft sei eine machbare Sache, zog in Sockenhausen ein und wunderte sich manchmal immer noch.